Presse Juni 2011

 

Nußloch. (fi). Da oben, ganz da oben knapp über der Felsnasestehen

sie fröhlich zusammen und sind mit der Traubenernte beschäftigt.

Unter Akkordeonbegleitung wird geherbstet und gesungen, die Eimer

füllen sich. EndeJuni und schon Erntezeit? Bei den Schauspielern

der Interessengemeinschaft Nußlocher Volksschauspiele schon,

denn die Handgriffe müssen sitzen, genausodie Lieder.
Schließlich ist es ein „fröhlicher Weinberg“. Im NußlocherSteinbruch

wird eifrig geprobt, mit Beginn des Juli werden sich schließlichtausende

von Zuschauern das Zuckmayer Stück anschauen.

Auf der Naturbühne gehtes indes hoch her, in dem rheinhessischen

Winzerdorf herrscht Leben. Peter Nassauer als Regisseur

und Spielleiter wirkt derzeit allerdings noch wenigerenthusiastisch,

es sind die ersten Sequenzen und Szenen, die nach der„Trockenprobe“

nun an Ort und Stelle einstudiert werden.

 

„Sei bloss ruhig, wennich dich net liebe dät, dann det ich en

harte Ausdruck gebrauche“. Schiffer Jochen Most ist außer sich,

hört ganz und gar nicht auf sein geliebtes Klärchen.

Vor dem Haus Gunderloch und der Wirtschaft der Eismayers, der „Landskrone“,wogt das Geschehen hin und her. Nassauer muss auch mal schreien, wird laut auchohne Megaphon. „Bitte Ruhe“ schallt es durch den Nußlocher Steinbruch. ZuvielGeschwätz bei den Akteuren und Komparsen, die jetzt nicht gerade auf der Bühnestehen, das stört. Der Regisseur vermittelt, möchte Text und Gestik in Einklangbringen, versucht die Einsätze der einzelnen Schauspieler zu koordinieren,winkt die Gesangsgruppe wieder zurück. „Zu früh, zu früh, erst auf das Stichwort“. Also,

nochmals zurück und die steilen Treppen hoch. „BitteStichwort, und los jetzt“. Neu formiert und aufgestellt kommen die Lesehelfermit Gesang auf die Bühne. „Oner geht noch, oner geht noch nei“. Das passt wieangegossen, Jean Babtiste Gunderloch als Weingutsbesitzer möchte seineNachfolge regeln, Klärchen ist da etwas eigen. Was den hochnäsigen Knuziusweniger interessiert, der hat es auf das Vermächtnis abgesehen. „Schau, meiBräutsche mit dem Traubenkorb, so recht ein Winzermädchen, immer frisch, immerfidel“. Ein Charmeur, doch immer mit dem Blick auf die Mitgift. „Stop, das muss frischer, fröhlicher kommen, bitte nochmals zurück“. Was jetzt nicht sofortkorrigiert wird, schleift

sich ein, wird zur schlechten Gewohnheit und istschwer wieder aus dem Kopf der Nußlocher Laienschauspieler zu bekommen. Daswissen die Akteure, bei den ersten Proben wird noch die rechte Einstellung zumGesamtstück gesucht, aus den vielen Szenen, aus den drei Akten muss einkompaktes Stück werden. Die Gruppe der Sangesstatisten hat es da ein kleinwenig einfacher. „Warum weinst du, holde Gärtnersfrau“, der Gesang lässt sichhören, wenn die Einsätze schief gehen, ist das eine Kollektivschuld, man trägstmit Fassung, stellt sich neu auf. Oder macht auf Anweisung von Peter Nassauereine Pause, zieht sich in den Schatten zurück.

Das Textbuch in der Hand habenes die Einzelschauspieler schon schwerer. Monologe, Schrittfolgen, Ausdrucksweise, das muss jetzt Kontur annehmen, „mehr Blickkontakt zum Publikum, umdrehen“. Der Spielleiter ist ganz dabei im Stück, die
Souffleusen haben ihre zugeordneten Rollen markiert, lesen mit und werden deutlich lauter,wenn der „Hänger“ naht. Gunderloch: sieht ihm nach mit gerunzelten Augenbrauen Zu Annemarie: „Sage sie mal, wie gefällt ihnen der Borscht?“ So liest sich das Drehbuch, die Feinheiten des Gesichtsausdruckes sind exakt vermerkt. Diesen Schliff, den gilt es jetzt umzusetzen, zur Generalprobe wird alles sitzen, da sind sich die Schauspieler einig. Und die Zuschauer werden ab
dem 1. Juli wieder einen ereignisreichen, fröhlichen Freilichttheaterabend in Nußloch verleben.„Zum fröhlichen Weinberg“, das verspricht Verwicklungen, Irritationen und Verschlagenheit, gewürzt mit trockenem Humor, lieblichem Wein,
herben Liedern, Pfälzer Witz und vor allem: mit vier dennoch glücklichen Paaren am Ende.

 

von Roland Fink

 

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