top of page

Quasimodo streift durch den Steinbruch

Proben für den „Glöckner von Notre Dame“ laufen auf Hochtouren – Premiere für Regisseur Georg Veit Von Agnieszka Dorn

Nußloch. Die Sonne brutzelt im Nußlocher Steinbruch, die Menschen dort scheint die Hitze aber wenig zu stören. Denn sie haben ein ganz anderes Problem: Gerade haben sie den Teufel gesehen. „Der Deufel, der Deufel – schickt die Weiber und die Kinder fort!“, schreit jemand panisch. „Was ist denn los, warum sagt er nichts?“, fragt ein Mann, der dem Teufel, oder besser: Quasimodo, gegenübersteht. Der bucklige Mann bringt aber kein Wort über die Lippen. Und geradeals man gespannt ist, wie es weitergeht, bricht Regisseur Georg Veit die Szene ab, zu wenig dramatisch war das Ganze. Also wird die Szene wiederholt. Veit schlüpft in die Rolle eines Darstellersund zeigt den Schauspielern, wie sie es besser machen sollen. So authentisch wie möglich soll es aussehen. Während Jung und Alt bei dem heißen Wetter ihre Freizeit im Freibad verbringen und vergnüglich im kühlen Nass planschen, laufen die Proben für das Stück „Der Glöckner von Notre Dame“ (siehe Hintergrund-Kasten links), das die Interessengemeinschaft Volksschauspiele (IGV) in knapp vier Wochen im Nußlocher Steinbruch aufführt, auf Hochtouren. Die ersten Proben fanden in der Olympiahalle, der Lindenschule und der Bücherei statt, erzählt Heiko Richter, der Erste Vorsitzende der IGV. Jetzt, wo die Schauspieler die Texte können, wird das Stück an dem Platz geübt, wo später die Freilichtaufführung stattfindet. Geübt wird einmal die Woche für etwa drei Stunden. Eine Premiere ist es für den neuen Regisseur Georg Veit, zum ersten Mal führt er Regie im Nußlocher Freilichttheater. Unbekannt ist Georg Veit allerdings nicht, denn speziell für die Nußlocher inszenierte er 2015 das Winterstück „Die zwölf Geschworenen“, bei dem er auch die Regie führte. Nach elf Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit arbeitete Regisseur Peter Nassauer vergangenes Jahr beim Stück „Don Camillo und Peppone“ zum letzten Mal für die IGV. Das Stück soll lebendig und authentisch sein, das sei ihm unheimlich wichtig, sagt Georg Veit über den Glöckner. Die Szenen werden so oft geübt, bis der Regisseur zufrieden ist. Und das kann oft sein. „Das Ganze noch einmal“, lautet die Anweisung des 52-Jährigen nach einer Szene. Seit vielen Jahren arbeitet Veit im Capitol Mannheim als künstlerischer Leiter, vor sechs Jahren führte er sowohl das Haus- und das Kindertheater. Zudem hat Veit sein eigenes Kindertheater, „Die Schaubude“. Mit den Nußlocher Schauspielern ist der Regisseur sehr zufrieden, Spaß macht es sichtbar beiden Seiten. Noch proben die Nußlocher in normalen Kleidern. Bald startet der Endspurt dann wird auch in richtigen Kostümen geprobt. Rund 70 Akteure werden auf der Freilichtbühne stehen, wenn sich am 30. Junium20 Uhr der imaginäre Vorhang bei der Premiere öffnet. Man habe über 200 Kostümteile extra für das Stück neu erstellt, erzählt Heiko Richter. Gutes Wetter und kein Regen wünsche er sich für die Aufführungstage. Na, den Wunsch wird Petrus doch sicherlich erfüllen. Mit einem Buckel und zugedrücktem Auge streift der Glöckner von Notre Dame, auch Quasimodo genannt, durch den Nußlocher Steinbruch, gespielt wird er von Dieter Niedermayer. Probleme mit der gebückten Haltung habe er keine, sagt er, im Gegenteil: Er habe sich daran so sehr gewöhnt, dass er fast schon Probleme habe, normal aufgerichtet zu gehen, sagt er mit einem Augenzwinkern. ​


Pressebereicht aus der RNZ Region Heidelberg vom Pfingstausgabe, 3/4/5. Juni 2017 Von Agnieszka Dorn

2 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page